Denkmalschutz München

Strukturelle Analyse und Wandentfernung in denkmalgeschütztem Gebäude mit historischer Bausubstanz

Strukturelle Highlights

  • Rückbau mehrerer Innenwände zur Zusammenführung von Wohneinheiten
  • Identifizierung tragender und aussteifender Wände ohne Bestandsdokumentation
  • Detaillierte Vor-Ort-Analyse mit multiplen Parametern
  • Erkenntnis: Wanddicke allein kein zuverlässiges Kriterium (auch 11,5 cm Wände tragend)
  • Biegesteifer Stahlrahmen mit Dübelverankerungen für aussteifende Wände
  • Abfangträger mit Betonauflager für tragende Wände
  • Erfahrung aus über 300 Projekten im Bestandsbau
  • Historische Baudatenbank zur Abschätzung der Mauerwerks-Tragfähigkeit

Fakten

  • Ort: München-Lehel, Deutschland
  • Jahr: 2025
  • Leistung: Tragwerksplanung
  • Kunde: Xenon Domizil Dienstleistungen
  • Keine Tragwerksplanung im Bestandsarchiv vorhanden - vollständige Ermittlung über Vor-Ort-Analyse
Heritage Protected Building Munich Project
Projektübersicht

Die Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes im Münchner Stadtzentrum beabsichtigten den Rückbau mehrerer Innenwände, um mehrere Wohneinheiten zu einer gemeinsamen Nutzungseinheit zusammenzuführen. In einem ersten Schritt wurden die tragenden sowie die aussteifenden Wände identifiziert. Da im Bestandsarchiv keine Tragwerksplanung vorlag, erfolgte die Ermittlung der tragenden Bauteile ausschließlich auf Grundlage einer detaillierten Vor-Ort-Analyse. Dabei wurden verschiedene relevante Parameter herangezogen, unter anderem die Spannrichtung der Decken, die Bausubstanz und Materialität der Wände, deren Lage im Grundriss, die vorhandenen Deckenspannweiten sowie weitere konstruktive Zusammenhänge. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme stellt die Wanddicke allein kein verlässliches Kriterium für die Tragwirkung dar. Zwar kann eine größere Wanddicke auf eine tragende Funktion hindeuten, jedoch sind insbesondere in Bestandsgebäuden auch schlanke Wände mit einer Dicke von lediglich 11,5 cm häufig tragend ausgebildet. In einem weiteren Schritt wurde geprüft, ob es sich bei den identifizierten Wänden zusätzlich um aussteifende Bauteile handelt. Diese übernehmen nicht nur vertikale Lasten wie Eigengewicht und Schnee, sondern auch horizontale Einwirkungen aus Wind oder Erdbeben. Für eine aussteifende Wand wurde ein biegesteifer Stahlrahmen konzipiert, der mittels Dübelverankerungen kraftschlüssig an die Decke angeschlossen ist. Auf diese Weise können die horizontalen Lasten aus der Deckenscheibe sicher in den Rahmen und weiter in den Baugrund abgetragen werden. Für nicht aussteifende, jedoch tragende Wände wurde ein Abfangträger mit Betonauflager geplant. Besonders bei älteren und teilweise brüchigen Bausubstanzen ist eine realistische Ermittlung der Tragfähigkeit des Bestandsmauerwerks von zentraler Bedeutung. Durch unsere Erfahrung aus über 300 Projekten im Bestandsbau sowie den Zugriff auf eine historische Baudatenbank können wir die Tragfähigkeit des Mauerwerks in Abhängigkeit vom Baujahr zuverlässig abschätzen. Dadurch lassen sich aufwendige und kostenintensive Laboruntersuchungen in vielen Fällen vermeiden und wirtschaftlich optimale Lösungen entwickeln. Ergänzend planen wir den Bauzustand und erstellen eine detaillierte Abfolge der einzelnen Arbeitsschritte, um eine sichere und reibungslose Umsetzung auf der Baustelle zu gewährleisten. Auf Wunsch übernehmen wir zudem Beweissicherungen sowie die fachliche Abnahme der ausgeführten Arbeiten.

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