Neubau Mehrfamilienhaus
Umfassende Tragwerksplanung mit komplexen Spannweiten, schwierigen Baugrundverhältnissen und seismischen Anforderungen
Strukturelle Highlights
- Optimierung einer 20-Meter-Spannweite in der Decke über der Tiefgarage
- Lösung für versetzte tragende Wände ohne durchgehenden vertikalen Lastabtrag
- Bemessung einer 25-Meter-Mittelpfette mit optimierten Auflagern
- Einfügung zusätzlicher Stützen zur Reduktion großer Spannweiten
- Gezielte Ausbildung von Trennwänden als tragende Bauteile
- Pfahlverstärkungen bis zu zehn Meter Tiefe bei wenig tragfähigem Baugrund
- Sorgfältige Auslegung der Gebäudeaussteifung aufgrund seismischer Aktivität
- Erhaltung der architektonischen Raumqualität trotz umfangreicher statischer Anpassungen
Fakten
- Ort: Übersee, Deutschland
- Jahr: 2025
- Leistung: Tragwerksplanung
- Kunde: Privater Kunde
- Die Stadt Übersee forderte für das Mehrfamilienhaus mit neun Wohneinheiten mindestens 16 Stellplätze, trotz geringer Bebauungsdichte sowie ausreichend vorhandener Stellflächen im öffentlichen Straßenraum und in der unmittelbaren Umgebung

Dieses Neubauprojekt zählte zu unseren frühen Neubauvorhaben und stellte uns vor eine Vielzahl anspruchsvoller technischer und planerischer Herausforderungen. Das auf den ersten Blick überschaubare Mehrfamilienhaus wies bei genauerer Betrachtung mehrere komplexe Randbedingungen auf, die im Zuge der Planung gelöst werden mussten. Zu Projektbeginn lag keine vollständige architektonische Entwurfsplanung vor. Infolgedessen entsprachen der bestehende Grundriss sowie die angesetzten Bauteildimensionen nicht den Anforderungen einer genehmigungsfähigen Planung. Unter anderem war in der Decke über der Tiefgarage eine Spannweite von rund 20 Metern vorgesehen, auf der tragende Wände abgestellt werden sollten. Darüber hinaus war kein durchgehender vertikaler Lastabtrag gegeben, die aufgehenden Wände waren teilweise um mehr als zwei Meter gegeneinander versetzt. Auch die rund 25 Meter spannende Mittelpfette verfügte ursprünglich über keine ausreichenden tragenden Auflager. Diese und weitere Entwurfsthemen wurden im Rahmen der Planung systematisch analysiert, optimiert und weiterentwickelt. In der Tiefgarage wurden zusätzliche Stützen eingefügt, um die großen Spannweiten zu reduzieren. Im Dachgeschoss wurden ausgewählte Trennwände gezielt als tragende Bauteile ausgebildet, um die Mittelpfette statisch wirksam abzufangen. Zudem wurden einzelne Wände verschoben, um einen möglichst durchgehenden und klaren Lastabtrag sicherzustellen. Sämtliche Anpassungen erfolgten mit dem Ziel, die architektonische Raumqualität weitgehend unverändert zu erhalten. Weitere besondere Herausforderungen ergaben sich aus den geotechnischen Randbedingungen. Der Baugrund erwies sich als wenig tragfähig, sodass Pfahlverstärkungen bis in Tiefen von bis zu zehn Metern erforderlich wurden, um tragfähige Bodenschichten zu erreichen. Zusätzlich befindet sich der Standort Übersee in einer Region mit seismischer Aktivität. Dies erforderte eine besonders sorgfältige Auslegung der Gebäudeaussteifung einschließlich der Fundamente.
